Bedingungen schaffen

Vor einigen Wochen haben wir ein Hochbeet aufgebaut. Nicht besonders groß. Zwei Tomatenpflanzen, eine Gurke und etwas Salat als “Fußvolk”. Dazu ein paar Kräuter.

Heute stehe ich davor und sehe die ersten Tomatenblüten. Die Gurke trägt bereits ihre erste kleine Frucht. Der Salat wächst üppig, die Petersilie wird langsam erntereif.

Und während ich das betrachte, fällt mir etwas auf: Ich habe keine einzige Tomate wachsen lassen.

Natürlich habe ich das Beet gebaut. Ich habe die Erde eingefüllt. Ich habe gepflanzt. Ich habe gegossen. Aber gewachsen ist die Tomate von selbst. Die Gurke ebenfalls. Der Salat auch.

Alles, was ich tun konnte, war, Bedingungen zu schaffen. Gute Erde. Genügend Wasser. Licht. Raum. Ein wenig Aufmerksamkeit. Den Rest hat das Leben selbst übernommen.

Wachstum lässt sich nicht erzwingen

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr erkenne ich dieses Prinzip auch an anderen Stellen meines Lebens.

Menschen wachsen nicht durch Druck. Kinder wachsen nicht durch Druck. Beziehungen wachsen nicht durch Druck. Selbst Heilung geschieht selten durch Druck.

Und doch verbringen wir oft viel Energie damit, Wachstum erzwingen zu wollen. Wir wollen schneller verstehen. Schneller heilen. Schneller ankommen. Schneller verändern. Vielleicht, weil wir glauben, wir müssten das Wachstum selbst hervorbringen.

Aber was wäre, wenn unsere eigentliche Aufgabe eine andere wäre? Was wäre, wenn es nicht darum geht, Wachstum zu machen, sondern Bedingungen zu schaffen?

Einen Raum, in dem Ehrlichkeit möglich wird. Einen Moment der Stille. Ein offenes Gespräch. Ein wenig Geduld. Eine Umgebung, in der etwas entstehen darf.

Nicht passiv, sondern dienend

Das bedeutet nicht, passiv zu werden. Auch ein Hochbeet baut sich nicht von allein. Die Erde muss vorbereitet werden. Die Pflanzen brauchen Pflege. Manchmal müssen Tomaten ausgegeizt werden. Manchmal braucht die Gurke eine Rankhilfe.

Doch all das dient nicht dazu, Wachstum zu erzeugen. Es dient dazu, Wachstum zu ermöglichen.

Vielleicht gilt das für vieles im Leben.

Wir können den Frühling nicht machen. Aber wir können den Boden bereiten.

Und manchmal ist genau das genug. Vielleicht sogar mehr als genug.