Leben zeigt sich in Lebendigkeit
Weißt du, in meinem Hochbeet wachsen nun die Gurken, die Tomaten und der Salat. Und die Gurken haben längst beschlossen, ihren eigenen Weg zu gehen. Sie klettern über den Rand, suchen sich ihren Platz und tragen eine Frucht nach der anderen. Die Tomaten dagegen lassen sich Zeit. Sie hängen grün an ihren Pflanzen, als würden sie sagen: Wir sind noch nicht so weit. Und unten wächst das, was ich mit einem Lächeln mein „Fußvolk” nenne – der Salat. Still. Unauffällig. Ganz ohne großes Aufsehen.
Jede Pflanze wächst nun einmal anders; in ihrem eigenen Tempo und keiner käme auf die Idee, die Tomaten zu kritisieren, weil sie noch nicht reif sind.
Und letztens in einer meiner Gesprächsgruppen fragte mich eine Teilnehmerin, ob sie es sich erlauben darf, das zu erleben, was ihr Wunsch ist. Sie wollte eine Vorausschau haben, vorher wissen, ob es sicher ist – bevor sie sich erlaubt, überhaupt loszugehen.
Ich sagte ihr: Das weiß ich nicht. Es liegt daran, welche Bedingungen du heute schaffst, damit das Morgen für dich entstehen kann.
Genau wie im Hochbeet. Ich zwinge die Gurke nicht zu wachsen, und ich dränge die Tomate nicht, schon reif zu sein. Ich schaffe die Bedingungen – Erde, Wasser, Licht, Halt – und dann vertraue ich dem, was daraus wird, in seinem eigenen Tempo.
Für mich geht es in der Lebendigkeit genau darum: dem Fluss des Lebens zu vertrauen, indem ich Bedingungen schaffe, die mit meinen Werten übereinstimmen – und meine Wünsche so in die Realität bringen können. Nicht, indem ich vorausschaue, ob es sicher ist. Sondern indem ich heute das lege, was morgen tragen kann.
Denn Leben zeigt sich nicht in Sicherheit.
Das Leben zeigt sich in Lebendigkeit.

