Meine Präsenz korrigiert

Drei Begegnungen mit Unaufmerksamkeit – und was danach kam

I. Ich weiß, was passiert ist.

Draußen, eine Arbeit mit dem Messer.
Ein Kabelbinder, der viel Kraft brauchte.
Eine Körperhaltung, die ungünstig war.
Und dann – das Messer nach oben, der Kabelbinder durchtrennt – in mein Gesicht. 
Nase, Wange, Blut.
Ich habe Küchenpapier gedrückt, fest, und bin in mich gegangen – in die Anbindung, in meine Präsenz im Jetzt-Augenblick.
Kein Vorwurf, keine Geschichte. Kein Wieso Weshalb Warum. 
Nur dieser eine stille Satz: „Ich war unaufmerksam“.
Nicht als Anklage. Als Tatsache. Und dann:
„Ich bitte meinen Körper um Verzeihung für die Unachtsamkeit. Ich bin dankbar für die Heilung.“
Das Bluten hörte auf, der Schmerz auch.
Kein Schwellen. Keine Rötung. 
Nach einer Stunde – ein kleiner Kratzer.

II. Ich weiß es nicht – noch nicht.

Eine andere Begebenheit. Ein Erdloch für einen neuen Baum.
Erde ausheben, sieben, vorbereiten.
Eine Solarlampe mit Stab beiseite legen. 
Vorbereitungen fertig, der Baum kann kommen.
Die Solarlampe mit dem Stab wieder in die Erde drücken – abrutschen. Fast ins Loch gefallen.
Oh weh. Nur schmutzig. Alles gut. 
10 Minuten später: Ein Schmerz, den ich nicht kannte. 
Der mittlere Zeh – dick, blau, fürchterlich. 
Hochlegen, kühlen, verbinden.
Kein Schuh möglich.
Ich war unaufmerksam. Ja. Aber wie? Wo?
Das Erdloch war es nicht, der Fall auch nicht.
Irgendwas blieb offen. Eine Lücke.
Und der Körper hielt sie offen mit.
Anbindung, Präsenz – doch keine Heilung.
Die Antwort kam einen Tag später, im Baumarkt.
Humpelnd, in Schlappen und die offenen Fragen.
Plötzlich das Bild: Der Stab der Solarlampe im Sturz – auf den Zeh geschlagen. 
Natürlich, so war es!
In dem Moment, in dem ich es wirklich verstand – hörte der Schmerz auf.
Urplötzlich. Vollständig.
Kurz darauf: normaler Schuh, kein Druck.
Am nächsten Tag – als wäre nichts gewesen.

III. Ich weiß es – aber ich traue mich nicht hinzuschauen.

Eine kleine Akku-Heckenschere. (Irgendwann die Jahre)
Lag im Gartenhaus, nicht an der Ladestation.
Gartenhandschuhe schon an – und dann, um den Akkustand zu prüfen, einfach eingeschaltet.
Auf der Handfläche!
Die Fingerkuppen im Scherblatt unter dem Handschuh!
Ich habe die Hand sofort fest zusammengedrückt und bin ins Haus gegangen. 
Ich habe mich nicht getraut, die Hand zu öffnen, den Handschuh auszuziehen.
Mein Mann hat mich ermutigt.
Und in dieser kleinen Zwischenzeit – Hand noch geschlossen, Handschuh noch drauf – bin ich in mich gegangen. 
„Ich war unaufmerksam, bitte verzeihe mir Körperwesen.“
Dann Handschuh aus. Fingerkuppen anschauen. 
Nicht offen. Nur gequetscht.
Kühlen. Dankbarkeit.
Und kurze Zeit später – alles wieder gut!

Was diese 3 Momente gemeinsam haben:


Kein Selbstvorwurf. Keine Schuldgeschichte.
Nur dieser ehrliche, stille Satz:
Ich war unaufmerksam.
Und dann Präsenz. Anbindung. Dankbarkeit. Heilung.
Manchmal reicht das sofort.
Manchmal wartet der Körper – bis der Verstand die letzte Lücke schließt.
Manchmal braucht es Mut, überhaupt hinzuschauen.
Aber immer gilt:

Einfach Sein – das reicht.
In dem Wissen, dass meine Präsenz korrigiert.