Die kleinen Resonanzen

Kleine Resonanzen

Die kleinen Resonanzen

Jeden Tag erreichen uns unzählige Informationen von Außen. Doch wir gehen nur mit einigen davon in Resonanz. Vor Kurzem beobachtete ich, wie zwei Menschen auf dieselbe Information reagierten – dieselben Bilder, dieselben Worte über das Weltgeschehen.
Einer äußerte Angst vor der Zukunft. Der andere blieb ruhig und gelassen. Das hat mich nachdenklich gemacht: Warum berührt dieselbe Information zwei Menschen so verschieden?

Ich glaube, es liegt daran, was in uns bereits vorhanden ist. Eine Information trifft nicht ins Leere. Sie trifft auf etwas, das schon da ist – eine Sorge, eine Sehnsucht, eine offene Frage, die längst in uns wartet. Und genau dieses Vorhandene entscheidet, ob und wie stark eine Resonanz entsteht. Je mehr in uns etwas wartet, gesehen zu werden – ungelöstes, unausgesprochenes, noch ohne Raum –, desto stärker klingt etwas in uns mit.
Die Information selbst ist dabei fast nebensächlich. Sie ist nur der Anlass, nicht die Ursache.

Bei mir zeigt sich das oft über Musik. Wenn ich ein Lied von James Blunt höre, aus seiner Zeit nach dem, was er selbst im Krieg erlebt hat, dann spüre ich darin einen Schmerz, der über die Melodie hinausgeht. Ich kann es fühlen, fast so, als würde etwas von seinem Erleben direkt in mir ankommen. Andere Lieder, wie die von Sam Garrett Lakshmi, berühren eine ganz andere Seite in mir – nicht Schmerz, sondern etwas Weicheres, Offeneres, Liebendes.

Was mich daran am meisten beschäftigt:
Wir begegnen am Tag unzähligen solcher Informationen – und nur wenige stoßen etwas in uns an. Die meisten ziehen einfach vorbei. Und dann gibt es die, die sich festsetzen, die uns tagelang begleiten, wo in uns Resonanz entsteht.

Ich vermute, dass genau dort etwas in uns am lautesten wartet: ein ungelöstes Thema, eine Sehnsucht, eine Frage, die noch keinen Platz gefunden hat.

Vielleicht ist das der eigentliche Wert der kleinen Resonanzen:
Sie zeigen weniger, was da draußen passiert, und mehr, was in uns gerade am stärksten lebendig ist – und darauf wartet, gesehen zu werden.

Womit gehst du gerade in Resonanz?