Erfahrungen werden Geschichte

Wenn Geschichten Geschichte werden

Wenn Erfahrungen zu Geschichte werden

Eine Klientin erzählte mir kürzlich, dass sie immer wieder mal eine Traurigkeit spürt – ausgelöst durch etwas ganz Alltägliches, ein Geschehen des Tages, das eigentlich klein ist. Doch dahinter meldet sich etwas Größeres: eine Traurigkeit aus ihrer Kindheit. Sie erlaubt sich heute schon, diese Traurigkeit zu fühlen. Nur eines konnte sie sich nicht erklären: warum sie sie immer wieder genau dorthin zurückbringt.

Ich sagte ihr: Schau doch mal ganz offen zu der Kleinen in deiner Kindheit hin. Setz dich zu ihr. Halte mit ihr diesen Raum der Traurigkeit, so dass sie sich nicht mehr allein fühlt in diesem Zustand – so dass sie spürt, dass sie gehalten wird.

Und wenn die Traurigkeit abgeheilt ist, nimm sie an die Hand und bring sie mit in dein Hier und Jetzt. Lass die Traurigkeit der Kindheit zur Geschichte werden.

Denn eine Erfahrung ist lebendig – im Hier und Jetzt, man erfährt sie in der Gegenwart –, solange sie noch nicht Geschichte geworden ist.

Eine Geschichte dagegen liegt eindeutig in der Vergangenheit. Sie ist nur noch eine Geschichte, die erzählt werden kann. Sie hat ihren Platz gefunden.

Und ich glaube:
Jede Erfahrung, die wir machen, möchte irgendwann zur Geschichte werden. Nicht um vergessen zu werden, sondern um Platz zu schaffen. Platz für das, was jetzt kommen will.